Hochwasserschutz in Grimma - Erkenntnisse und Fazit Nach Auswertung verfügbarer, auch historischer Daten im Internet stellt sich die Hochwassersituation in Grimma folgendermaßen dar: Hochwasserereignisse betreffen nur die Altstadt von Grimma. Diese wird bereits ab einem HQ 25 überschwemmt. Die neueren  Stadtgebiete liegen hoch genug, so dass sie selbst beim Hochwasser 2002 nicht betroffen waren. Das Wasser strömt offenbar an zwei Stellen in die Altstadt. Dies soll nachfolgend an Hand von Zitaten aus dem Buch “Die große  Wassersnot in Sachsen 1897” belegt werden. Dieses Hochwasserereignis war zwar bei weitem nicht so groß, ist aber von seinem  Verlauf repräsentativ für Grimma.   “Als der Tag graute, schoß die Flut brausend und gurgelnd in über 3 1/2 Meter Höhe durch die Brückenbögen und spülte über die Auen an beiden Ufern hinweg.” Zum Einen verursacht also die Pöppelmann-Brücke einen Anstau, so dass die Mulde die flachen Ufer überspült. Mindestens genausso stark wirkt aber offenbar auch der Anstau des Großmühlenwehres. Von dort strömte das Wasser der Mulde von Süden in die Stadt. “Um 7 Uhr früh (31. Juli) überstieg sie mit 4,10 den Stand des Hochwassers von 1884 und setzte die Mühlgasse und die Kirchgasse unter Wasser.” Erst danach kam es zum Eindringen des Wassers aus Norden aufgrund des Anstaus der Pöppelmann-Brücke: “Bald übeflutete dieses auch die Wurzener Straße und die Promenaden, so dass sich von Ernsts Bleiche bis zur Wiesenstraße ein See erstreckte. Nach 9 Uhr drang das Wasser auch auf dem Markte und auf der Brückenstraße aus den Schleusen hervor.” (Der vollständige Bericht des Hochwassers 1897 für den Bereich Grimma ist hier zu lesen bzw.  kann unter folgendem link bei der Sächsischen Landesbibliothek Dresden online eingesehen  werden: http://digital.slub-dresden.de/sammlungen/titeldaten/318214512/.)  Das 1,70 m hohe Großmühlen-Wehr (Wehr Obermühle Grimma) verursacht einen Rückstau in der Mulde von ca. 2,5 Kilometer  (Daten aus der Wehrdatenbank Sachsen). Das ist erheblich und erklärt sich aus dem geringen Gefälle der Mulde. Mit dem  gesunden Menschenverstand betrachtet, staut ein solches Wehr natürlich auch im Hochwasserfall auf und stellt daher eine  zusätzliche Verschärfung der Hochwasserlage dar.  Nicht zuletzt auch deshalb, weil die im Anstauraum abgelagerten Sedimente  auf hunderte Meter Länge die Flusssohle anheben. Die obigen Zitate belegen auch, dass das Hochwasser genau im Bereich des  Großmühlenwehres in die Altstadt Grimmas eindringt.   Mit Hinblick auf einen effektiven Hochwasserschutz drängt sich daher der Rückbau des Wehres regelrecht auf - weit mehr, als  über die Anstauwirkung einzelner, 800 Meter flussabwärts stehender Brückenpfeiler zu philosophieren. In der  Hochwasserschutzkonzeption Grimma - wie auch in allen anderen Hochwasserschutzkonzeptionen in Sachsen - wurde jedoch den  Wehren entweder eine Anstauwirkung im Hochwasserfall abgesprochen oder - aufgrund von Wasserkraftnutzung oder  Wassergewinnung - ein Rückbau als Hochwasserschutzmaßnahme abgelehnt. Entsprechend machten auch die Verantwortlichen  in der Landestalsperrenverwaltung und ihre beauftragten Planungsbüros allein die Pöppelmann-Brücke für die Verschärfung der  Hochwassergefahr in Grimma verantwortlich.  Nunmehr - 9 Jahre nach dem Hochwasser 2002 und viele Planungen später - wird Stück für Stück die Erkenntnis zu den  hochwasserverschärfenden Auswirkungen von Querbauwerken öffentlich wahrnehmbar.  Zwei Beispiele:   Würschnitz bei Harthau  Bereits 2008 wurde die bestehende Wehranlage in der Würschnitz mit Steuergeldern zur “rauhen Rampe” umgebaut. Und es  wurden Hochwasserschutzmauern für ein HQ 100 errichtet. Das Sommerhochwasser  2010 machte dann den Verantwortlichen  der LTV deutlich, daß diese Umbaumaßnahme wohl nur kosmetischen Charakter hatte und die Überflutungsgefahr nicht gebannt  war - die Anstauwirkung des noch verbliebenen Wehrrestes wurde wohl unterschätzt. Man startete 2011 einen zweiten Versuch-  nunmehr steht richtigerweise der komplette Wehrrückbau auf den Plan. Die Stellungnahme von BUND LV Sachsen e.V. und  Grüner Liga Sachsen e.V. hier. Kloster St. Marienthal an der Lausitzer Neiße  Es ist eher unwahrscheinlich, daß die Altvorderen Gebäudekomplexe im unmittelbaren Überschwemmungsbereich der Flüsse  errichtet haben. Nach der Neißeflut im Sommer 2010 stellten wir uns deshalb die Frage, wieso das Kloster St. Marienthal so  schwer vom Hochwasser betroffen sein konnte. Die HQ 100-Schutzmaßnahmen des Freistaates Sachsen waren bereits  fertiggestellt. Was war 2010 anders als zur Zeit der Klostergründung ? Eine Recherche brachte es zu Tage - eine  Wasserkraftanlage wurde im Jahr 2000 wieder in Betrieb genommen (Datenblatt) und das Wehr im Einstaubereich des Klosters  ertüchtigt (Auszug Wehrdatenbank mit Kommentierung). Es erscheint logisch, daß eine Hochwasserwelle höher ausfallen muß,  wenn ein Querbauwerk von 1,65 m Höhe dem natürlichen Gewässerverlauf entgegengestellt wird. Das Wehr gab es doch aber  schon früher, werden jetzt die Zweifler sagen. Richtig. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde am Standort ein Sägewerk  errichtet, welches mit Wasserkraft betrieben, ein entsprechendes Wehr im Fluß benötigte. Und zur Großen Sachsenflut 1897 ging  das Kloster St. Marienthal mit einem ähnlichen Schadensbild wie 2010 in den Fluten unter ...   Fazit (für diese und ähnliche Fälle):  Ist es das bisschen Ökostrom aus Wasserkraft wert, daß man ca. aller 100 Jahre eine Komplettsanierung des  baulichen Umfelds wegen Hochwasserschäden machen kann und die Zeit bis dahin den freien Blick durch  “Schutzmauern” verstellt bekommt ?