Der Betonwahn der Wasserbauer 2. Hochwasserschutzkonzepte in Sachsen Nach dem Hochwasser des Jahres 2002 wurden zwischen 2003 und 2005 durch die  Sächsische Landestalsperrenverwaltung (LTV) auf der Basis des § 99b Abs. 1 Sächsisches  Wassergesetz 47 Hochwasserschutzkonzepte für die Gewässer 1. Ordnung erstellt. Erklärtes Ziel der Hochwasserschutzmaßnahmen in den HWSK ist der Schutz der Bebauung  bei einem hundertjährigem Hochwasser (HQ 100) oder weniger. Im Vergleich: das  Hochwasser des Jahres 2002 liegt etwa bei einem HQ 250-300.   Mit anderen Worten – vor einem ähnlichen Ereignis wie der Flut 2002 schützen die  geplanten Maßnahmen nicht.  Im Wesentlichen beinhalten die HWSK  Maßnahmen des technischen  Hochwasserschutzes wie Deicherhöhung oder  – Neubau, Bau von Ufermauern,  Brückenaufweitungen sowie die Ertüchtigung  vorhandener und der Bau neuer  Hochwasserrückhaltebecken. Die Erweiterung des Retentionsraumes der  Flüsse durch Rückbau von Deichen dagegen  besitzt in diesem Konzept des Freistaates  Sachsen nur eine sehr untergeordnete  Bedeutung.  Die vom Hochwasser 2002 geschaffenen ökologisch wertvollen Strukturen an den  Fließgewässern (Aufweitungen, Schotterbänke, neue Flussarme) wurden zwar als solche in  den Konzepten erwähnt und als erhaltenswert beschrieben – in der Fakten schaffenden  Realität der „Hochwasserschadensbeseitigungs-maßnahmen“ der staatlichen  Landestalsperrenverwaltung jedoch entsprechend bis auf vernachlässigbare Reststrukturen  wieder beseitigt. Auch vorbeugende Hochwasserschutzmaßnahmen im Einzugsgebiet sowie im Umfeld der  Flüsse entsprechend § 31d WHG, die vor allem den natürlichen Rückhalt abfließenden  Wassers in der Fläche stärken können, wie z.B. Flächenumnutzungen (Wiederbewaldung,  Entsiegelungen), Renaturierung von Quellbereichen, Offenlegung von Nebenbächen oder  örtliche Versickerungsmaßnahmen (Rigolensystem), wurden zwar als Möglichkeit erwähnt,  sind jedoch kein Bestandteil der staatlichen Maßnahmekonzepte geworden - ebenso wenig  wie die Renaturierung von Bächen und Flüssen (Reaktivierung von Altarmen und Mäandern,  Uferaufweitungen, Rückbau von aufstauenden Schwellen und Wehren). Denn der größte Teil dieser Maßnahmen müsste im Bereich von Gewässern 2. Ordnung  umgesetzt werden, für diese liegt jedoch die Zuständigkeit bei den Gemeinden. Die  Gemeinden wiederum müssten HWSK 2. Ordnung erstellen – was sie bis heute nicht getan  haben (ob aus fachlicher Überforderung oder aus finanziellen Engpässen – darüber lässt  sich nur spekulieren ...).  Und obwohl aktuell also nur ein „Torso“ aus Konzepten und Maßnahmen für die  Fließgewässer vorliegt, schwerpunktmäßig eng an den Grenzen der Gewässer 1. Ordnung  angebunden und ohne Vor- und Hinterland beachtet zu haben, entfalten die HWSK 1.  Ordnung nach ministerieller Absegnung bereits jetzt ihre alternativlose Wirkung in Form von  losweise aufgeteilten, planfeststellungspflichtigen Genehmigungsplanungen für  ausschließlich technische Hochwasserschutzmaßnahmen. Vertane Chance Angesichts der Hochwasserschutzkonzepte in Sachsen wird erkennbar, dass der Freisaat die  an sich unbedeutendste Säule eines nachhaltigen Hochwasserschutzes,  den technischen  Hochwasserschutz,  nicht nur prioritär, sondern fast ausschließlich behandelt. Der Freistaat Sachsen will 1.100 Mill.€ EU-Gelder bis 2015 in technische  Hochwasserschutzmaßnahmen für einen zweifelhaften HQ100-Schutz investieren. Da der  Freistaat aber den technischen Hochwasserschutz als Motor für die lahmende Bauindustrie  und damit als konjunkturbelebende Maßnahme nutzt, ist das Vorhaben offensichtlich  staatstragend (große Bauprojekte suggerieren Aufschwung und es wächst das BIP). Die Wiederherstellung des natürlichen Wasserrückhaltevermögens des Bodens (z.B. Öffnen  von Drainagen, Verschließen von Entwässerungsgräben, Wiederbewaldung usw.) wird vom  Freistaat Sachsen auf die private Initiative Einzelner verlagert. Da soll sich der private  Flächeneigentümer gegen den Pächter durchsetzen, der aber gar kein Interesse z.B. an  Vernässung oder Bepflanzung hat, weil diese Flächen natürlich dann nicht oder nur noch  schlecht nutzbar sind. Auf diese Art muss die erste Säule des Hochwasserschutzes zwangsläufig auf der Strecke  bleiben.   Bezeichnender Weise setzt der Staat noch nicht einmal auf seinen Eigentumsflächen die  Zielstellungen für Hochwasserschutz in der Fläche um. Die Sächsische  Immobilienverwaltung, beim Finanzministerium angesiedelt, verpachtet Acker- und  Grünland in Größenordnungen an Landwirtschaftsbetriebe anstatt diese Flächen für  Gewässerrenaturierungen oder Wiederbewaldungen einzusetzen.  Anmerkungen: Der moderne Hochwasserschutz basiert auf einem Drei-Säulen-Modell: Stärkung des natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche Hochwasservorsorge technischer Hochwasserschutz Wenn man davon ausgeht,  dass vor Fluterereignissen  (HQ200-300) wie 2002 sowie  2010 (Lausitz) jede Art von  Hochwasserschutz versagt, ist  es unverantwortlich, wenn man der Bevölkerung mit dem  staatlicherseits geplanten  technischen Hochwasser-  schutzpaket für ein (rein  theoretisch ermitteltes) HQ100  eine zweifelhafte Sicherheit  vorgaukelt. Die Wirkungslosigkeit des  HQ100-Schutzes wurde an der  Neiße in Ostritz und Zittau  2010 deutlich sichtbar. Und dass Dämme so lange  halten, bis sie brechen, belegt  nicht zuletzt der Bruch des  Witka-Staudamms 2010.   Ausspülungen des Hochwassers 2010  hinter der Hochwasserschutzmauer  (projektierte Höhe für ein HQ100) in  Ostritz, Foto vom 11.8.2010  Fließgewässer-Zähmungsversuche  der Lan-destalsperrenwaltung (LTV).  Kostenintensiv, häßlich und  wirkungslos.  Aller wieviel Wochen will die LTV  hier wieder tätig werden ?    Uferverbauungen an der Großen  Lößnitz. 2003 gebaut und 2010 auf  dem besten Weg der Renaturierung  (wer räumt nur noch die häßlichen  blauen Steine aus dem Fluss?) Foto vom 16.2.2011