Klage der Naturschutzverbände gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Ortsumgehung Flöha Vorgeschichte Am 11.12.2007 hat das Regierungspräsidium Chemnitz  mit dem Az. 14-0513.26/2004.009  den Planfeststellungsbeschluss für die Verlegung der Bundesstraße B 173 bei Flöha  ausgefertigt. Das Anhörungsverfahren lief damit über 3 Jahre.  Während die erste Zielrichtung im Anhörungsverfahren der beiden anerkannten  Naturschutzverbände BUND Landesverband Sachsen e.V. und Grüne Liga Sachsen e.V. sowie  des Naturschutzverbandes Sachsen e.V. als betroffener Flächeneigentümer die Bemühung war,  die fehlende Notwendigkeit des gesamten Straßenneubaus sowie die Verquickung bestimmter  Lobbyinteressen darzulegen, befassten sich die nachfolgenden Stellungnahmen der genannten  Verbände immer mehr mit einem Bauabschnitt, nämlich dem ökologisch wertvollsten -  der  Querung des FFH-Gebietes "Flöhatal".   Der Naturschutzverband  Sachsen e.V. hat seit 2002 in  diesem Flöhatalabschnitt ca.  10 ha Eigentumsfläche,  inselartig gelegen zwischen  dem Flöhafluss und einem  Mühlgraben.   Die skurrile Geschichte seines  Flächenerwerbs wird hier   erzählt. Während des Hochwassers von 2002 hat die Flöha einen Deich durchbrochen, seitdem gibt es  auf der Fläche des Naturschutzverbandes einen neuen Flussarm. Durch das Engagement des  Vereines konnte erreicht werden, dass der Deich nicht wieder geschlossen wurde. Seitdem ist  die insgesamt 13 ha große Insel vor den Toren Flöhas wieder an das Hochwasserregime des  Flusses angeschlossen. Regelmäßige Überflutungen prägen seitdem das Bild der Flächen. Auf  den Schotter- und Sedimentablagerungen sowie entlang des neuen Flussarmes hat sich ein  Weidenauwald etabliert. Das Gebiet der Flöhainsel hat sich zu einer ungestörten Wildnis   entwickelt. Der natürlich entstandene Weidenauwald ist als prioritärer Lebensraumtyp  europaweit geschützt. Die noch verbliebenen Ackerflächen wurden 2007 durch den  Naturschutzverband in Umsetzung seines Renaturierungsprojektes mit einem  standortgerechten Auwald wiederbewaldet. Die geplante Neubaustrasse der B 173n sollte mittels eines ca. 10 m hohen Brückenbauwerkes  unmittelbar über den ökologischen Kernbereich dieses Talabschnittes führen, die neuen  Brückenpfeiler sollten an den Ufern der beiden Flöhaarme sowie inmitten des  Weichholzauwaldes und der hochwassergeprägten Schotterfluren stehen. Bereits seit Beginn des Anhörungsverfahrens haben die drei Verbände immer wieder in ihren  Stellungnahmen auf die ökologische Wertigkeit und Einzigartigkeit dieses Flussabschnittes  hingewiesen und - sofern das Vorhaben nicht fallen gelassen wird - zumindest auf eine andere  Variante der Talquerung gedrängt. Im Jahr 2006 wurden daher vom Planungsträger DEGES  Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH Alternativvarianten entworfen, eine  davon (Variante 6) sogar näher untersucht. Keine der Varianten wurde in das  Planfeststellungsverfahren eingeführt, da der Planungsträger DEGES selbst zum Schluss kam,  dass keine besser sei. Die näher untersuchte Variante 6, die anhand der FFH-Kriterien ganz  klar ökologisch günstiger wäre, böte nicht den gleichen Fahrkomfort wie die alte  Vorzugsvariante (man kann auf der Brücke nur 70 km/h fahren). Kostenfaktor und  bautechnische Schwierigkeiten, die auch ins Feld geführt wurden, waren jedenfalls nach  näherer Nachfrage nicht mehr ausschlaggebend.   So kam es, dass der Planungsträger DEGES die Abwägung gleich mal vorneweg nahm und nur  mit der von Anfang an favorisierten Vorzugsvariante in das Planfeststellungsverfahren ging.  Einer Variante, die bereits in der Schublade lag, bevor das Hochwasser 2002 in der Flöhaaue  neue Fakten schaffen konnte. Und auch das Regierungspräsidium Chemnitz hatte an der  Handlungsweise des Planungsträgers DEGES nicht auszusetzen und erteilte den  Planfeststellungsbeschluss ohne eine Alternativprüfung für die Eingriffe in das FFH-Gebiet  "Flöhatal", ganz so, als gäbe es keine erheblichen und nachhaltigen Beeinträchtigungen im  prioritären Lebensraumtyp. Möglich wurde das, weil von Anfang an durch DEGES und die  beauftragten Ingenieursbüros Biotope, Tiere und Entwicklungsmöglichkeiten der Flöhainsel  falsch dargestellt und subtil "kleingeredet" wurden. Nachgewiesene fehlerhafte Kartierungen  wurden nur widerstrebend und immer noch nicht richtig korrigiert. Es wirkte sich auch nicht  nachteilig aus, dass sich die Bestandsaufnahmen und deren Schlussfolgerungen für das  Bauvorhaben immer wieder widersprachen.  Unsere Klage - Eilverfahren  Am 25.03.2008 wurde durch BUND LV Sachsen e.V., Grüne Liga Sachsen e.V. und  Naturschutzverband Freiberg e.V. Klage beim Bundesverwaltungsgericht Leipzig gegen den  Planfeststellungsbeschluss eingereicht. Die Grüne Liga Sachsen e.V. hat weiterhin einen Antrag  auf aufschiebende Wirkung der Klage (Eilverfahren) eingereicht, um die Tendenz "zum Fakten-  Schaffen" zu verringern.  Am 20. Mai 2008 hat das Bundesverwaltungsgericht Leipzig das Eilverfahren der Grünen Liga  Sachsen e.V. mit dem Beschluss beendet, dass die aufschiebende Wirkung der Klage der  Grünen Liga Sachsen e.V. gegen den Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums  Chemnitz vom 11. Dezember 2007 angeordnet wird, und zwar für den Bereich der  Flöhaquerung. Nunmehr galt es, dass Hauptverfahren zu führen.   Unsere Klage - Hauptverfahren   Am 11.11.2009 wurde im Bundesverwaltungsgericht Leipzig die Klagen des  Naturschutzverbandes Sachsen e.V. , des BUND Landesverbandes Sachsen e.V. und der Grünen Liga Sachsen e.V. verhandelt. Dabei schlug das Gericht einen Vergleich dahingehend vor, dass  der Bereich Flöhaquerung aus dem bisherigen Planfeststellungsverfahren herausgelöst wird  und ein neues, separates und ergebnisoffenes Verfahren geführt wird, einschließlich aller dafür  erforderlichen Fachbeiträge (FFH-Vorprüfung, Artenschutzfachbeitrag, Alternativenprüfung).  Die Parteien nahmen den Vergleich an.  Neuplanung Flöhatalquerung  Der erste - nicht beklagte - Bauabschnitt der Ortsumgehung Flöha wird bereits seit 2010  gebaut. Ebenfalls seit dem Jahr 2010 läuft eine Überarbeitung der Planung für den zweiten,  erfolgreich beklagten Abschnitt der Flöhatalquerung. Es ist zu erwarten, dass noch im Jahr  2011 die Planunterlagen vorliegen. Sollte der Vorhabensträger weiterhin meinen, die  Flöhatalquerung an dieser Stelle durchsetzen zu wollen, werden wir uns dem Ansinnen - zum  Schutz der Flöhaaue und ihrer ökologisch hochwertigen Biotope - wiederum entgegenstellen.  Die Geschichte der Flöhainsel, die mit unserem Flächenkauf im Jahr 2002 begonnen hat, geht  weiter. neuer Flussarm der Flöha 2002 neuer Flussarm der Flöha 2007 Überschwemmung der Flöhainsel Frühjahr 2005 Deichdurchbruch 2008 Blick auf den geplanten Querungsbereich der Flöhainsel mittels einer Brücke Flöhainsel zwischen Falkenau und Flöha, Landkreis Mittelsachsen: