Vereiste Flüsse Die sehr kalten Tage und Nächte im Januar 2009 führten dazu, dass Still- und  Fließgewässer immer mehr zufroren. Das Thema ergab Schlagzeilen in den Medien,  da die Schifffahrt beeinträchtigt wurde. Kein Wort wurde verloren, welche  Auswirkungen Vereisungen auf die Tiere haben und warum das Vereisungsproblem an  den Fließgewässern durch den Menschen immer mehr verschärft wird. Auch im nicht-  schiffbaren Mittelgebirgsraum Sachsens waren alle Standgewässer und viele  Flussstrecken vollständig vereist bzw. es waren nur schmale Rinnen offenen Wassers  zu sehen. Vereisungen stellen für die an Seen, Teichen und Flüssen lebenden Tierarten, die ihre  Nahrung aus dem Wasser holen, mehrfache Stresssituationen dar, die viele nicht  lebend überstehen. Die Natur behilft sich, indem die mobilen Arten eine Art  „Frühwarnsystem“ entwickelt haben (wahrscheinlich abhängig vom Luftdruck) und  dadurch rechtzeitig zu offenen Gewässerabschnitten weiterziehen können. Die Tiere müssen dann auf eisfreie Flussabschnitte ausweichen können, auch wenn  dort die Ressourcensituation oft nur noch suboptimal ist (Winterflucht). Solche  Abschnitte finden sich normalerweise an den schnell fließenden Mittel- und Oberläufen  der Flüsse. Aber auch diese frieren immer häufiger und länger zu. Ursachen dafür sind menschlich  verursachte Längs- und Querverbauungen. Kilometerlang verbaute, begradigte Ufer verhindern, dass sich unterschiedliche  Strömungsbereiche wie Strudel und Wirbel ausbilden, in denen die  Strömungsgeschwindigkeit stark und kleinräumig wechselt. Querbauwerke, vor allem  Wehre und Schwellen, bewirken im Anstaubereich eine Verlangsamung der  Fließgeschwindigkeit – der Wehrteich friert streckenweise kilometerweit zu. Unterhalb des Wehres, in der  Ausleitungsstrecke, fehlt wiederum ausreichend Wasser, um die Flusssohle ausreichend zu bedecken und eine schnelle  Strömung auszubilden. Auch hier vereist der Fluss. Selbst Mühlgräben vereisen vollständig aufgrund der langsamen  Strömung des Wassers (geringes Gefälle und strukturlose Ufermauern). An der Einleitstelle des Mühlgrabens in den  Fluss wiederum gibt es einen Rückstau im Hauptbett, so dass auch dort die vielleicht noch vorhandene schmale offene  Wasserrinne um Hunderte von Metern flussaufwärts zufriert.  Wie groß diese Beeinträchtigungen sind, verdeutlichen folgende Zahlen:  Allein im Flussgebiet der Freiberger Mulde sind 522 Querbauwerke mit einer Höhe von 30 cm und mehr registriert. An  der Flöha gibt es auf ihrer Gesamtlänge von 22,56 km 48 Querbauwerke, durchschnittlich eines auf 470 m Flusslauf.  21 Bauwerke davon werden durch den Freistaat Sachsen als unpassierbar eingestuft, durchschnittlich eines pro  Kilometer. An den meisten stehen Wasserkraftanlagen zur Stromerzeugung.  Bei einer Befahrung von Mitgliedern des Naturschutzverbandes Sachsen e.V. am 13.01.2009 wurde beispielhaft ein  Abschnitt der Flöha, welcher als FFH-Gebiet "Flöhatal" bei der EU gemeldet ist, besucht. Darin befinden sich drei  Wehranlagen zur Stromerzeugung.   Die Ergebnisse von zwei Wehranlagen (Falkenau, Hetzdorf) verdeutlichen die Bilder.  Das nächste Wehr in Hohenfichte (kein Bild) hatte einen vollständig vereisten Rückstau von ca. 550 m bis Holzbrücke  Hohenfichte. Oberhalb der Holzbrücke setzt sich die Vereisung bis ca. 250 m fort, da die Brückenpfeiler ebenfalls eine  Verlangsamung der Strömung bewirken. Die Ausleitungsstrecke war auf ca. 400 m bis auf eine kleine Rinne  zugefroren.  Damit waren von insgesamt 5,9 km Flusslauf mit drei nacheinanderliegenden, voll betriebenen Wehranlagen (im  Übrigen ohne jegliche ökologische Durchgängigkeit) 4,03 km Flusslauf vereist.   Das heißt, ca. zwei Drittel der betrachteten Flusslänge stand den am Fluss und vom Fluss lebenden Tieren,  vor allem Wasseramsel, Eisvogel, vielen Entenarten, Sägern, Kormoranen und auch dem Fischotter nicht  mehr als Nahrungsraum zur Verfügung.   Der Vergleich eines weitgehend unbeeinflußten Abschnittes der Flöha zeigte, dass Vereisungen ursächlich auf  menschliche Gestaltungs- und Nutzungsaktivitäten zurückzuführen sind.