Die Flöhainsel zwischen Falkenau und Flöha - ist Wildnis in Deutschland möglich? Es wird hier die Geschichte eines Naturschutzprojektes  mitten in Deutschland erzählt, wo Arten-, Biotop- und  Hochwasserschutz Hand in Hand gehen sollten. Seine  Umsetzung  belegt beispielhaft, welche behördlichen  Widerstände zu überwinden sind, um in Deutschland ein  Stück Wildnis zu schaffen und zu erhalten. Es begann 1995 mit den Bemühungen unseres  Naturschutzverbandes, eine ca. 13 ha große, zwischen  dem Fluss Flöha und einem Mühlgraben gelegene  Ackerfläche bei der Stadt Flöha im Landkreis Mittelsachsen  für den Naturschutz zu sichern. An unserem Vorhaben hat es nicht an öffentlichem Interesse gefehlt (Freie Presse  24./25.2.01) . Nur das Mitwirken der Behörden war deutlich kontraproduktiv (Freie Presse  31.3./1.4.01).  Die skurile Geschichte des Flächenkaufs wird hier erzählt.  Im Jahr 2002 konnten wir mit großer "Unterstützung" des Hochwasserereignisses vom August  ca. 10 ha der "Flöhainsel" ins Eigentum unseres Vereines bekommen.   Aufgrund eines Deichdurchbruches durch das Hochwasser 2002 an der Flöha hatte sich auf der Flöhainsel ein neuer Flussarm gebildet und auf den Schotter- und Sedimentablagerungen  begann sich ein Weichholzauwald zu etablieren - ganz so, wie wir es uns vorgestellt hatten.  Die Flöhainsel - nun mehr umrahmt vom Flöha-Altbett, Flöha-Neubett  und dem Mühlgraben -  sollte ein vollkommen ungestörtes Tierparadies werden, wo die Natur ohne regelnden Einfluss  des Menschen wirken kann. Jegliche “Beräumung” lehnten wir bewußt ab.  Dafür haben wir im Jahr 2003 den Naturschutzpreis des Freistaates Sachsen erhalten.   Im Jahr 2007, nachdem mehrmals Hochwasser über die Insel gegangen und neue  Schotterablagerungen entstanden waren, konnten wir die noch nicht mit Weidengebüschen  bewachsenen, ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen auf unserem Flurstück mit einem  standortgerechten Auwald wiederbewalden - die Renaturierung schien gelungen.  Aber neue dunkle Wolken zogen auf. Bereits im Jahr 2004 wurde deutlich, dass über die  Flöhaaue im Bereich unserer Insel die Umgehungsstraße Flöha im Zuge der Bundesstraße B  173 geplant wird. Ein Brückenbauwerk mit anschließenden Damm sollte die Aue dauerhaft  zerschneiden, verlärmen und und für die Natur entwerten. Wieder einmal stand alles auf der  Kippe.... aber das ist eine andere Geschichte, und die wird hier erzählt.  Unabhängig vom Ausgang unserer juristischen Auseinandersetzungen mit Straßenplanern und  betonverliebten Genehmigungsbehörden entwickelt sich die Natur auf unserer Flöhainsel  weiter. Nach Beobachtungen unserer Mitglieder im Frühjahr 2008 rufen sowohl der Feldschwirl  als auch der Schlagschwirl. Der Eisvogel ist auf dem Flöhaabschnitt aktiv und fliegt durch den  Deichdurchbruch um die Ecke in Richtung des neuen Flöhaarmes, wo er brütet. An der Flöha  fliegen sowohl die Blauflügelige als auch die Gebänderte Prachtlibelle und legen ihre Eier in die  Wasserhahnenfuß-Bestände. Die Weidenmeisen brüten in den hohen Bruchweidenbeständen  oberhalb des Deichdurchbruches.  Die erschreckenden Eingriffe bei der "Deichertüchtigung" flussabwärts im Stadtgebiet Flöha im  Rahmen der Umsetzung der Hochwasserschutzkonzeption, wo Hunderte Meter Auengehölze  gefällt und gerodet wurden, haben als Nebenergebnis einen aktuellen Beweis für gute  Groppen-Vorkommen in diesem Flussabschnitt geliefert.   Flöhaaue 1998 Blick aus Richtung Falkenau  auf die "Insel", links der  Fluss, rechts der  Mühlgraben Der Hochwasserdeich an der Flöha Flöhaaue nach dem Hochwasser 2002 Der gleiche Blick aus  Richtung Falkenau auf die  "Insel". Der Fluss hat eine  Schotterfläche  hinterlassen.  Deichdurchbruch: Der Fluss sucht sich ein neues Bett. Ein neuer Arm der Flöha ist entstanden. Blick auf eine Aue, die im  Fluss verschwunden ist.. 2008: Der Deichdurchbruch erweitert  sich immer mehr. Es entstehen  optimale Brutwände für den Eisvogel.  Das Neubett der Flöha Ende April 2008. Das Neubett der Flöha Mitte April 2008. 2008: Auf der ehemaligen Ackerfläche hat sich ein Weidenauwald entwickelt. Flöhaaue 2008: Ob Wildnis in Deutschland möglich ist - und zwar nicht irgendwo weit  weg in einem Nationalpark oder Biosphärenreservat, sondern "gleich  um die Ecke" - wird sich spätestens nach Ausgang unseres  Klageverfahrens zeigen. Die Geschichte bis hierher zeigt jedenfalls,  welche Schwierigkeiten und Widerstände zu überwinden sind, und  zwar nicht nur auf der Seite von Behörden und Institutionen, sondern  auch bei der Bevölkerung. Das Jahrtausende lang erzählte Märchen  über den Menschen als “Herrscher über die Natur", der nur durch  seinen unablässigen Kampf gegen die Natur sein Überleben sichern  kann, wird jedenfalls immer noch als Wahrheit verkauft - vielleicht so  lange, bis die letzte Tier- und Pflanzenart auf der Roten Liste steht.